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Wenn das Volk Geschichte schreibt!

Tunesien im Aufbruch: Wenn das Volk Geschichte schreibt! Tunesien ist das nördlichste Land Afrikas, etwas doppelt so groß wie Österreich. Der Anteil der Kinder, die die Schule besuchen, ist vergleichbar mit dem entwickelter Länder. In Keinem arabischen Land haben die Frauen so viele Rechte wie in Tunesien. Dank der geographischen Lage wurde Tunesien als das Paradiesische Urlaubsland. Doch hinter dieser schönen Fassade verbirgt sich der perfektesten Überwachungsstaaten der Welt, der seiner große

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15 يناير 2011
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الحوار نت
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Tunesien im Aufbruch: Wenn das Volk Geschichte schreibt!

Tunesien ist das nördlichste Land Afrikas, etwas doppelt so groß wie Österreich. Der Anteil der Kinder, die die Schule besuchen, ist vergleichbar mit dem entwickelter Länder. In Keinem arabischen Land haben die Frauen so viele Rechte wie in Tunesien. Dank der geographischen Lage wurde Tunesien als das Paradiesische Urlaubsland. Doch hinter dieser schönen Fassade verbirgt sich der perfektesten Überwachungsstaaten der Welt, der seiner große Zahl qualifizierter junger Menschen wenig Perspektiven bietet.

Die Revolution, die vor vier Wochen im dünn besiedelten Binnenland von Tunesien ihren Anfang nahm, hat sich bis in die Ballungszentren an der Küste fortgesetzt, Auslöser dieser Unruhen war der Versuch eines 26-Jährigen Hochschulabsolventen, sich aus Verzweiflung das Leben zu nehmen, nachdem ihm die Polizei seinen Obst- und Gemüsestandes konfisziert haben und ihn öffentlich geohrfeigten hatte.

Als Ben Ali am 7. November 1987, nach der sanften Absetzung von der ersten tunesischen Präsidenten Habib Bouguiba, dessen früherer militärischer Sicherheitschef er war, an die Macht kam, verkündete er einen Umbau der Gesellschaft, sprach er von einem „neuen Zeitalter". Die Folge waren Korruption, polizeiliche Willkür und Jagd auf Oppositionellen. Binnen Kurze Zeit stieg die Zahl der Polizisten von 20000 auf über 150 000. Kaum jemand wagt seine Meinung zu äußeren, die Post wird Überwacht, das Telefon abgehört. Ben Ali erlaubt weder einen Dialog zwischen Regierung und Volk noch die Kritik einer freie Presse, Politiker und Intellektuelle. Es herrscht Korruption, Vetternwirtschaft und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere unter Hochschulabsolventen. Die Arbeitslosenquote unter Diplomierten wird auf mindestens 25 Prozent, mit regionalen Spitzen von bis zu 50 Prozent geschätzt.

Diese Politik führte zu Hoffnungslosigkeit und einem Vertrauensverlust zwischen Staat und Gesellschaft. Die Bevölkerung musste zusehen, wie die Macht der Angehörigen der Frau des Päsidenten Leila Trabelsi zusehen wuchs. Dieser sogenannte Trabelsi-Clan wurde zu einer inoffiziellen Institution oder mit den Worten von Nicolas Beau und Catherine Graciet in Ihren Buch von 2009 « La régente de Carthage. Main basse sur la Tunisie. » zu einem inoffiziellen Partei geworden, die allmählich zu einem Funktionsverlust des Staates führt.

Der Brand von Bouazizi hat einen Aufstand in Sidi Bouzid ausgelöst. Die Polizei reagierte blutig und stützt sich ihr Vorgehen auf drei Säulen:

  • Der Verhängung einer absoluten Nachrichtensperre über die Region Sidi Bouzid, die offizielle tunesische Presse sprach insoweit über unbestätigte Nachrichten.

  • Einem Brutale Vorgehen von Polizei und die Sicherheitskräften, das die Demonstranten mit Hilfe von Schlagstöcken, Verhaftungen, und Folter zur Ruhe bringen soll.

  • Die Regierung führt eine Kampagne gegen Politiker, Institutionen und Parteien und wirft ihren Gegnern vor das Bild von Tunesien zu beschädigen.

Doch durch das harte Vorgehen wurden die Proteste nicht gestoppt, sondern haben sich auf andere Städte ausgedehnt und werden immer von Intellektuellen insbesondere von Journalisten und Anwählten unterstützt.

Unter diesem neuen Umständen sah sich der tunesische Präsident gezwungen etwas zu unternehmen und besuchte Bouazizi, dessen Verzweiflungstat den Aufstand gelöst hatte, und dessen Mutter zum Präsidenten Palast lud. Außerdem besuchte er die Familien, deren Kinder bis zu diesem Zeitpunkt in den Demonstrationen ums Leben gekommen waren und hielt schließlich am 28.12.2010 eine Rede an das tunesische Volk in der er den Extremismus herauf beschwor um die Protestbewegung zu diskriminieren und sich weiterhin die Unterstützung Amerikas und Europas zu sichern.

Die Rede hat das Volk nicht beruhigt, sonder die Empörung weiter angefacht, denn die hoffnungslose Jugend kennt die eiserner Hand des Staatspräsidenten Ben Ali seit nunmehr 23 Jahren, der anderes als sein Vorgänger Bourguiba bisher keine Zugeständnisse machen will.

An dieser Stelle sei an das Vorgehen des ersten tuneseischen Präsidenten angesichts der Arbeiterunruhen von 1978 erinnert, die schließlich zu einer Lockerung der Einparteienstaates und zur Erlaubnis anderer Parteien Anfang der 80er führte. Ebenfalls an die sogenannten „Brotunruhen" im Jahr 1984, die im Dezember 1983 und Januar 1984 aufbrachen. Auslöser waren der Preiserhöhung für Brot um 115% sowie die Streichung der Subventionen für andere Getreideprodukte, deren Verkündung Tausende auf die Straßen trieb, so daß sich der damalige Staatspräsident gezwungen sah, zur Beunruhigung der Lage persönlich in einer öffentlichen Rede am 6. Januar 1984 die vorläufige Aufhebung der Preiserhöhung bekannt zu geben. Nach dieser Demonstranten gab in Tunesien weitere Lockerung des politische Leben ende der 80er Jahre, die mit der Machtübernahme durch Ben Ali ihr Ende fanden. Denn mit der Absetzung von Bourguiba durch Ben Ali wurden zwar viele Hotels gebaut aber eben auch viele Gefängnisse.

Diese Lage zwingt viele Jugend einen Ausweg aus der Krise zu suchen, indem sie versuchen das Land in den kleine Booten, den sogenannten „Todesbooten" Richtung Europa zu verlassen, in der verzweifelten Hoffnung ihr Glück hinter den blauen Wasser zu suchen.

Es scheint so, als ob Bouazizi die Reise ins Ungewisse nicht unternehmen, sondern seiner Geld in seiner Heimat verdienen wollte. Als er nach dem Studium keinen Job fand und in seiner Stadt Obst und Gemüse verkaufen wollte, erhielt er von der Bürokratie keine Genehmigung und wurde von den Sicherheitskräften schikaniert, bis er sich aus Verzweiflung auf offener Straße selbst in Brand setzte, um von diesem unwürdigen Leben Abschied zu nehmen. Letzte Woche ist er seinen schweren Verletzungen erlegen.

Bouazizi ist ein typischer ruhiger Tunesier, denn die Tunesier sind im Allgemeinen ein ruhiges, geduldiges Volk sind, so dass manche sogenannte Experten über eine „feige Volk!" sprachen. Doch muss dieser Geduld nach 23 Jahre Regierung mit eiserne Hand eine Ende haben.

Nach dem Tod von Bouazizi gingen die Demonstrationen weiter, gleichzeitig nahm die Brutalität der Sicherheitsbehörden zu. Mittlerweile sind mehr als 70 zu beklagen. Es kamen zu massenhaften Verhaftung von Jugendlichen, Studenten, Journalisten. Als Rechtsanwälte ihren Protest zum Ausdruck bringen wollten, in dem sie eine kleines rotes Band auf Ihrer Kleider befestigen, wurden sie im Gerichtshof brutal geschlagen. Gleichwohl dehnen sich die Proteste immer weiter aus. Am letzten Donnerstag demonstrierten einige Hunderte Rechtsanwälte. Tags Darauf Mediziner und Wissenschaftler. Was als Protest gegen Arbeitslosigkeit, Behördenherrschaft und Vetternwirtschaft begann, ist nun politisch geworden, die Demonstranten verlangen Verbesserungen auch im politischen und sozialen Bereich.

Der britischer Journalist und Nahost Experte Brian Whitaker fand Parallele zwischen dem tunesischen Präsidenten und der Diktatur von Rumänien ende der 80er Nicolae Ceausescu und fragte sich in die „Guardien", ob Ben Ali auch die gleiche Ende wie Ceausescu bevorsteht.

Europa ist überrascht vom Ausmaß der Proteste, denn Ben Ali ist ihr Lieblingssohn, der als Bollwerk gegen den islamischen Terrorismus gilt und Tunesien nach den Vorgaben der Weltbank führte.

In Deutschland hört man fast nichts über Opfer der Diktatur in Tunesien, weil Tunesien für die deutsche Politik nicht im Vordergrund wie Afghanistan, Iran oder Irak.

Das Tunesische Volk leidet und darf zu Recht eine ernsthafte Strategie zur Verbesserung seiner Sozio-Ökonomische und politischen Lage verlangen.

Heute nachdem der Präsident das Lands verlassen hat, will der tunesischer Volk eine Übergangsregierung, die einen konkreten Plan erarbeit, der das Ziel hat, Arbeitsplätze zu Schaffen, Freiheit der Presse zu geben, neu Wahlen zu organisieren, politischen Aktivitäten zu ermöglichen und eine Ende der Überwachungsstaat zu machen.

Die Frage, die vielleicht keine Antwort mehr braucht: Ist das Ende von Ben Ali à la Nicolae Ceausescu schon Tatsache geworden ist? Doch das tunesischer Volk hat in den letzten Tagen Geschichte geschrieben und braucht nun von allen Unterstützung.

Trabelsi Hassen – Deutschland 2010

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