SCHWEIGEN ist in Tunesien BÜRGERPFLICHT
Hinter Tunesiens freundlicher Fassade herrscht eine unbarmherzige Diktatur. Ein Staat, in dem mit Gewalt und Willkür regiert wird. Ohne Meinungsfreiheit und mit viel Angst. Wo Regimekritiker auf offener Strasse von der Geheimpolizei
- 27 أكتوبر 2009
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- الحوار نت
Hinter Tunesiens freundlicher Fassade herrscht eine unbarmherzige Diktatur. Ein Staat, in dem mit Gewalt und Willkür regiert wird. Ohne Meinungsfreiheit und mit viel Angst. Wo Regimekritiker auf offener Strasse von der Geheimpolizei zusammengeschlagen und Telefone, Internet sowie natürlich die Medien streng überwacht werden. Dies ist das Reich von Tunesiens starkem Mann Zine El Abidine Ben Ali, der sich nun zum fünften Mal mit fast 90 Prozent der Stimmen zum Staatschef erheben liess. Die Wahlbeteiligung im Land mit 5,3 Millionen Einwohnern wurde offiziell ebenfalls mit 90 Prozent angegeben.
Dass solche Wahlgänge wenig mit Demokratie zu tun haben, liegt auf der Hand. Tunesiens allmächtiger Ben Ali, wie die meisten seiner arabischen Nachbarn, hält sich vor allem mit einem gigantischen Unterdrückungsapparat an der Macht. Menschenrechtsorganisationen werfen Ben Ali vor, das Land in einen Überwachungsstaat verwandelt zu haben, in dem Presse- und Meinungsfreiheit systematisch eingeschränkt blieben. Offiziell gibt es in Tunesien keine politischen Gefangenen. Es werden allerdings rund 3000 Islamisten hinter Gittern vermutet. Die meisten von ihnen wurden nach dem Attentat auf eine Synagoge auf der Ferieninsel Djerba im Jahr 2002 verhaftet.
Das bei Touristen so beliebte Strand- und Palmenland Tunesien ist hinter den Kulissen ein gefürchteter Polizei- und Spitzelstaat, in dem Duckbürgertum sowie Schweigen als Pflicht gilt. Und es scheint ganz so, als ob auch Europas Regierungen, die mit Tunesien sehr gute Geschäfte machen, sich diesem Diktat unterordnen. Nicht so die jungen Tunesier, denen Arbeit und Perspektiven fehlen: Sie versuchen diesem mentalen Gefängnis auf ihre Weise zu entkommen. Immer mehr suchen bei radikalen Islamisten im Untergrund ihr Heil, ziehen als «Gotteskrieger» in den Irak. Tausende versuchen derweil in lebensgefährlichen Reisen übers Mittelmeer nach Italien zu entkommen. Das Ausland sollte erkennen: In Tunesien brodelt es unter der schönen Oberfläche gefährlich.