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Im Reich des Ben Ali

Für Tunesier sind die Festnahmen von Kritikern, das Verbot von Zeitungen, der Ausschluss von Oppositionellen von Wahlen, längst ein normaler Vorgang. Niemand überrascht so etwas. Es regt die Mehrheit der Bevölkerung auch nicht wirklich auf

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16 ديسمبر 2009
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الحوار نت
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Im Reich des Ben Ali

Für Tunesier sind die Festnahmen von Kritikern, das Verbot von Zeitungen, der Ausschluss von Oppositionellen von Wahlen, längst ein normaler Vorgang. Niemand überrascht so etwas. Es regt die Mehrheit der Bevölkerung auch nicht wirklich auf. Solange der Präsident dort oben in der Ferne, mich in Ruhe lässt, sagt so mancher Tunesier, solange ist er mir egal. Volk und Führung haben sich längst voneinander entfremdet.

Die Botschafter und Konsuln in Tunis rätselten vor der Wahl, wie viel Prozent der Präsident diesmal wohl bekommen werde. 99 Prozent wie im Jahr 1994, oder doch nur 95 Prozent wie vor fünf Jahren? Der Präsident müsste gar nicht betrügen, sagt der Diplomat. Er würde wohl auch so gewinnen. Er habe dem Land etwas gebracht, was die Menschen wollen: Sicherheit.

Eine manchmal beklemmende, unheimliche Sicherheit. Aber Tunesien, so der Diplomat, sei das sicherste Land Nordafrikas, die Islamisten spielten keine Rolle. Die Polizei greife hart gegen radikale Muslime durch – die Gefängnisse seien voller Islamisten. Ben Ali dulde auch keine religiöse Macht neben ihn. Angestellte im Staatsdienst dürfen kein Kopftuch tragen und Studentinnen, die sich verhüllen, werden immer mal wieder von den Seminaren ausgeschlossen. Frauen die nicht nur ein Kopftuch, sondern den Tschador, der Ganzkörperschleier tragen, werden von Beamten auf der Straße angehalten und eingeschüchtert.

In Tunis stehen zu jeder Uhrzeit Polizisten auf den großen Straßen, in denen sich die Ministerien, Behörden und Kasernen befinden. Mit ihren weißen Pistolentaschen und den Handschuhen sehen sie aus wie Beamte aus der Kolonialzeit, doch ihre Methoden haben sie der neuen Zeit angepasst. Ein Auto nach dem anderen winken sie aus dem Verkehr heraus an den Straßenrand. "Sie sind zu schnell gefahren", sagen die strengen Hüter Ben Alis Sicherheit oft und stellen das ganz ohne Radargerät fest. Wer ohne langwierige Kontrolle weiter fahren will, reicht einen Dinarschein diskret hinaus. Der Polizist greift zu, beendet die Kontrolle und hält schon bald den nächsten Fahrer an.

Unzählige Polizisten stehen an Kreuzungen, Kreiseln, lauern in Häuschen und auf Motorrädern. Ihre Zahl nimmt stark zu, wenn der Präsident unterwegs ist. Dann stehen viele Uniformierte auf den Bürgersteigen und hinter ihnen beobachten breitschultrige Männer in Zivil das Geschehen. Sie haben kleine Kopfhörer im Ohr und kontrollieren, ob die Polizisten auch wachsam sind. Hinter den Aufpassern stehen einige wenige Anzugträger, die Oberen des Geheimdienstes, die ihre Agenten überwachen. "Man kann am Stadtbild sehen, wo und ob der Präsident unterwegs ist", sagt ein Mann. Wenn der Präsident seinen Palast oder ein anderes Ziel erreicht hat, ziehen die Bewacher wieder ab.

Die Polizei, Armee und der Geheimdienst sind dem Präsidenten treu ergeben - dass Ben Ali das gleiche Schicksal ereilt, wie seinen Vorgänger, glaube daher keiner. Doch ewig wird er die Macht nicht in seinen Händen halten können. Bei der nächsten Wahl darf er nicht mehr kandidieren. Die Verfassung begrenzt das Höchstalter dafür auf 75 Jahre. "Ach, die Verfassung, die kann man ändern", sagt ein Diplomat. "Dann werde es heißen, das Volk habe den großen Präsidenten gebeten, im Amt zu bleiben." Mancher Tunesier glaubt hingegen, dass der Schwiegersohn Ben Alis bereits zum Kronprinzen ernannt wurde. Wenn es so weit ist, wird Ben Ali seinem Volk verkünden, wer seine Nachfolge antritt. Gewählt werden wird dann auch, denn der Machthaber weiß, dass das Ausland darauf großen Wert legt

 

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