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Hat Sarrazin nicht auch Recht

Hassen Trabelsi Wer sich als frei Denker äußern möchte, sieht sich oft der Gefahr ausgesetzt, daß die Ideen, Überzeugungen oder Schlußfolgerungen, die einem selbst als klar und deutlich erscheinen, in der Auseinandersetzungen im anderen zu heftigen Kontroversen führen. In diesem Fall sieht man sich vor die alternative gestellt, sich entweder für seine Meinungen rechtfertigen zu müssen und diese gegen Angriffe vehement zu verteidigen, oder seine Meinung in den Raum zu stellen, hierfür die volle V

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27 سبتمبر 2010
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الحوار نت
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  Hassen Trabelsi

  Wer sich als frei Denker äußern möchte, sieht sich oft der Gefahr ausgesetzt, daß die Ideen, Überzeugungen oder Schlußfolgerungen, die einem selbst als klar und deutlich erscheinen, in der Auseinandersetzungen im anderen zu heftigen Kontroversen führen. In diesem Fall sieht man sich vor die alternative gestellt, sich entweder für seine Meinungen rechtfertigen zu müssen und diese gegen Angriffe vehement zu verteidigen, oder seine Meinung in den Raum zu stellen, hierfür die volle Verantwortung zu übernehmen und zu hoffen, dass die Ideen richtig interpretiert und verstanden werden. Nachdem Sarrazin nunmehr sein Buch ?Deutschland schafft sich ab? veröffentlicht hat, in dem er seine umstrittenen Thesen[1] zur fehlenden Integrationsbereitschaft der Muslime vorträgt und einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat, stehe ich Mitten drin in der Problematik, den ich zu Beginn meiner Artikel beschrieben habe. Sarrazin hat der Integrationsdebatte wieder an die Spitze der Agenda vieler Politiker und Experten gesetzt. Er musste hierfür massive Kritik einstecken und seinen Sitz im Vorstand bei der Bundesbank räumen. Manche betrachten ihn als Märtyrer anderer als Feind alle Immigranten mit muslimischem Hintergrund. Wenn man aber die Thesen Sarrazins hinsichtlich der fehlenden Integrationsbereitschaft unvoreingenommen betrachtet, merkt man, dass sie nicht alles als falsch einfach verdammt werden kann. Wie ist dazu gekommen, daß ich Sarrazins Thesen ein gewisses Wohlwollen entgegenbringe? Was hat das zu bedeuten? Stehe ich in einem Widerspruch zu meiner Identität als Immigrant, Araber und Muslim, gerade auch angesichts der Tatsache, daß ich als Muslim in vielen Vereinen, u.a. dem Islamischen Zentrum München (IZM) aktiv gewesen bin? Oder verrate ich sogar meine muslimischen Geschwister und Freunde?  Nur weil ich aus dem gewohnten Denkmuster ausbreche und sage, was wir Muslime nicht von anderen hören wollen, nämlich, daß viele von uns sich nicht Integrieren wollen und deshalb auch nichts für die Integration tun wollen? Ich will und kann das nicht glauben! Den nicht nur von Sarrazin festgestellten fehlenden Integrationswillen kann man an folgenden Punkten festmachen: Zunächst die Sprache. Viele Muslime, leider auch in der zweiten Generation, sprechen kein oder allenfalls gebrochen Deutsch und bemühen sich auch nicht darum, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Mit diesem Verhalten errichten sie eine Mauer und graben gleichzeitig tiefe Kluft zwischen sich und ihre deutschen Mitbürger. Das Sprachproblem zeigt sich noch verschärft bei vielen Imamen (Islamgelehrte und Vorbeter) in Deutschland, die oft nur wenige Jahre in Deutschland verbringen, keinerlei Sprachkenntnisse besitzen und Ahnung von den sozio-politischen und kulturellen Diskussionen in Deutschland haben. Dies hat zur Konsequenz, daß ihre Vorträge und Ratschläge an den wahren Bedürfnisse der hier lebenden Muslime vorbeigehen; daher wollen viele Muslime diese Imame nicht hören.   Andere Muslime meiden nicht nur jeglichen Kontakt mit deutschen Nachbarn, so unterbleiben selbst Begrüßungen und man wünscht ihnen auch keine Frohe Weihnachten, sondern verbietet darüber hinaus sogar, daß die eigene Kinder mit den Kindern deutsche Nachbarn spielen.   Manche prominente Vertreter der Muslime reden viel über eine Islamphobie und zeichnen dramatische Bilder von der Muslime in Deutschland, die meistens die Realität nicht wiedergeben.   Die Islamische Tracht (Al-Hijab) zeigt bei viele Frauen einen Mangel an Stile. So passt bei vielen Frauen die Farbe des Schleiers nicht zur restlichen Kleidung, andere Frauen verhüllen sich vollständig in schwarze Gewänder, die auch das Gesicht bedecken und gehen in diesem Aufzug in eine Café um einen Cappuccino zu trinken. Ich möchte an dieser stelle betonen, dass ich nicht ? nicht wie in Frankreich - die islamischer Tracht als solche verbieten will. Ich bin aber auch nicht damit einverstanden, dass Frauen ihre Hände und ihre Gesichter verstecken, weil dies keine religiöse Pflicht darstellt und jeglichen Kleidungsstil vermissen läßt.   Viele Experten beklagen sich über die geringe Bereitschaft der Muslime in Institutionen zu organisieren und führen dafür zahlreiche Gründe an. Der Entscheidende Grund liegt meiner Meinung nach darin, dass viele islamische Vereine sehr schlecht geführt werden und auch kein interesse an Verbesserungen haben mit der schlichten Begründung: ?wir sind Ausländer und müssen nicht so perfekt wie die Deutsche werden!?   Da die Vereine zumeist von Leuten mit geringen, wissenschaftlichen Qualifikationen geführt werden, werden muslimische Intellektuelle an den Rand gedrängt ohne Einfluss zu erlangen. Dies hat aber zur Folge, daß viele Mitglieder, und unter ihnen vor allem die muslimischen Intellektuellen schließlich aus den Vereinen fliehen, weil sie nicht die Gelegenheit erhalten, ihre Fähigkeiten einzubringen.   Natürlich sehe ich die Argumente die gegen meine Analyse ins Feld geführt werden können wie zum Beispiel: Errichten nicht auch viele Deutsche Grenze zwischen ihnen und ihren ausländischen Mitbürgern? Werden nicht die Muslime in der Presse nicht pauschal mit Terrorismus und Gewalt in Verbindung gebracht? Hat Sarrazin nicht zu Unrecht die These vertreten, daß bei keiner anderen Religion der Übergang zu Gewalt, Diktatur und Terrorismus so fließend ist wie im Islam? Dies sind durchaus berechtigte Fragen und Argumente auf die ich heute nicht eingehen möchte. Ich möchte allerdings an dieser Stelle die Aussagen des Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière bestätigen, die er in der Diskussionsrunde mit dem Moderator Frank Plasberg auf der ARD getroffen hat nämlich daß es sowohl seine Partei als auch im Staat bezüglich der Frage der Integration zu erheblichen Versäumnisse gekommen ist und man bereits vor 20 Jahren viel mehr hätte tun müssen. Diese Aussage wird auch von der Einschätzung von Bundeskanzlerin Merkel bestätigt, wenn sie sagt: ?Wenn man ehrlich ist, sieht man aber auch vieles, das zeigt: Wir haben in der Bildungs- und Sozialpolitik noch einen langen Weg vor uns.? Einen Langen Weg, der vom Staat, den Muslimen und die Institutionen der Zivilgesellschaft zurückgelegt werden muss.   Hassen Trabelsi
[1]Was ist dran an Sarrazins Thesen? In: http://www.tagesschau.de/inland/sarrazin154.html In diesem Artikel wurden die Sarrazins Thesen von Fachleute überprüft.
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