DER ISLAM: Eine Einführung
Hassen Trabelsi Der Islam ist, chronologisch, als die jüngste Religion der drei im biblischen Umfeld entstanden. Die letzten Statistiken zufolge bekennen sich heute 1,57 Milliarden Bewohner unseres Planeten zu der Religion, zu der Mohammad Ibn Abd Allah im Jahre 610 n. Chr. aufrief. In Europa sind es rund 50 Millionen; davon über 15 Millionen in „alten“ Westeuropa, von denen wiederum etwa 5 Millionen in der Bundesrepublik Deutschland. Rund 90 Prozent aller Moslems, d.h. 1,41 Milliarden Menschen,
- 3 سبتمبر 2010
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Hassen Trabelsi
Der Islam ist, chronologisch, als die jüngste Religion der drei im biblischen Umfeld entstanden. Die letzten Statistiken zufolge bekennen sich heute 1,57 Milliarden Bewohner unseres Planeten zu der Religion, zu der Mohammad Ibn Abd Allah im Jahre 610 n. Chr. aufrief. In Europa sind es rund 50 Millionen; davon über 15 Millionen in „alten“ Westeuropa, von denen wiederum etwa 5 Millionen in der Bundesrepublik Deutschland.
Rund 90 Prozent aller Moslems, d.h. 1,41 Milliarden Menschen, bekennen sich zum sunnitischen Islam und seinen vier Rechtschulen: die Hanafiten (nach Abû Hanîfa, gest. 767), die Mâlikiten (nach Mâlik ibn Anas, gest. 795), die Shâfiiten (nach ash-Shâfiî, gest. 820) und die Hanbaliten (nach Ahmad ibn Hanbal, gest. 855). Die restlichen 10 Prozent sind schiitische Moslems, wobei angemerkt werden muss, dass es eine große Anzahl schiitischer Ausformungen gibt.
Islam heißt: sich ganz Gott hingeben, sein ganzes selbst Gott anheimstellen. Islam ist ein arabisches Wort und bedeutet Frieden, Ergebung, Hingabe, Gehorsam und Dankbarkeit gegenüber der göttlichen Gnade.
Der Koran fordert die Gläubigen auf zu bekennen:
„Wir Glauben an Gott und an das, was uns (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, und an das, was herabgesandt wurde zu Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und ihren Nachkommen herabgesandt wurde, und was Moose und Jesus zugekommen ist, und was (den anderen) Propheten von ihrem Herrn gegeben worden ist. Wir machen zwischen keinem von ihnen einen Unterschied. Und ihm sind wir ergeben„ (2: 137)
Die Fünf Säulen des Islam
Der Prophet Mohammed hat in einer der überlieferten Aussagen (Hadīth) folgende Rede geäußert: „Der Islam wurde auf fünf Säulen errichtet: `Dem Zeugnis, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und dass Mohammed der Gesandte Allahs ist, dem Verrichten des Gebetes, dem Entrichten der Zâkât, der Pilgerfahrt zum Hause und dem Fasten im Ramadan„
1. Das Glaubensbekenntnis (Schahada)
Auf arabisch lautet die Schahada:
„Aschadu allâ ilâha illal-lah, wa aschadu anna Muhammadan-rasullul-lâh„
übersetzt auf Deutsch bedeutet sie :
„Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und dass Mohammed der Gesandte Allahs ist„
Jeder, der diesen Satz ausspricht und innerlich bestätigt, ist Muslim und gehört zum Islam.
2. Das Gebet (As-Salat)
Das Gebet (As-Salat) ist fünfmal täglich als eine Pflicht gegenüber Gott vorgeschrieben. Es sind die vorgeschriebenen täglichen Gebetsübungen, die darin bestehen, dass ein Muslim sich fünfmal am Tag das wiederholt und ins Gedächtnis ruft, worauf sein Glaube aufgebaut ist. Die fünf täglichen Gebete erinnern den Menschen an seinen Bund mit Gott, sie beleben und stärken seinen Glauben an ihn stets aufs neue. Sie reinigen sein Herz und helfen ihm, der Versuchung zur Sündhaftigkeit auszuweichen und allem Unguten und Unreinen aus dem Weg zu gehen. Um Einheit der geistigen und körperlichen zu erlangen, wäscht sich der Muslim rituell seinen Gesicht, seine Hände bis zum Ellenbogen, streicht über seine Haare und wäscht seine Füße dann tritt er vor seinen Herrn zum Gebet. Eine Besonderheit des Islam ist, dass das Gebet überall und an jedem Ort, solange dieser Ort sauber ist, allein oder gemeinsam verrichtet werden kann. Die verschiedenen Stellungen, die während des Gebetes eingenommen werden, sind nichts anderes als der Ausdruck der geistigen und körperlichen Ergebenheit des Muslims. Die verschiedenen Rezitationen aus dem Koran erinnern ihn an seine Verpflichtungen Gott (Allah) gegenüber. Die fünf täglichen Gebete sind frühmorgens vor Sonnenaufgang, gegen Mittag – wenn die Sonne den Zenit überschritten hat -, gegen Nachmittag unmittelbar nach Sonnenuntergang und wenn die Dunkelheit der Nacht eingebrochen ist, zu verrichten.
3. Die Armensteuer (Zâkât)
Die Zâkât : Dieses arabische Wort mit der Grundbedeutung „Reinigung„ wird gewöhnlich als „Armensteuer„ übersetzt. Es handelt sich um eine Steuer, die auf Reichtum erhoben und unter die Armen verteilt wird.
Im Islam wird dieser Begriff verwendet, dass Muslime einen Teil ihres Reichtums für die Bedürftigen und Armen geben müssen. Dadurch, dass man den anderen gibt, wird das Vermögen und zugleich auch das Ego oder die Seele (Nafs) gereinigt. Wenn man als Muslim den Armen und Bedürftigen nicht das gibt, was ihnen zusteht, bleibt das Vermögen unrein. Damit ist auch der Mensch selbst in seinem Inneren unrein.
Die Bezahlung der Armensteuer gilt als ein wichtiger Bestandteil des gemeinsamen Lebens in islamischen Gemeinschaften und sorgt für eine soziale Gerechtigkeit.
4. Das Fasten
Der islamische Fastenmonat Ramadan beinhaltet, dass man sich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang vom Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr fernhält. Das Fastenbrechen findet in der Regel gemeinsam in der Familie mit Freuenden, Nachbarn oder in der Moschee statt. Das Fasten dauert einen vollen Monat. Da der Islam einen Mondkalender hat, fällt der Monat Ramadan der Reihe nach in jede Jahreszeit: in den Herbst, den Winter, den Frühling oder den Sommer. Der Ramadan beginnt, sobald nach dem vorangehenden Neumond die Mondsichel das erste Mal zu sehen ist. Falls der Himmel bedeckt ist, richtet sich der Beginn meist nach dem nächsten islamischen Land, wo der Mond gesichtet wurde.
Eine Befreiung von der Fastenspflicht gibt es in Ausnahmefällen, wie z.B. für die Kranken oder Reisende oder für Frauen während ihrer Regel, der Schwangerschaft oder während des Stillens. Die befreiten Tage müssen allerdings später nachgeholt werden.
Im Ramadan erhalten die Muslime die Gelegenheit auch an die Armen und an die benachteiligten Menschen zu Denken, die von Hunger- und Naturkatastrophen betroffen sind; an die Menschen, die kein Zuhause, keine Arbeit haben, die alles verloren haben, die für sich keine Zukunft sehen.
Obwohl das Fasten auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann, so ist es doch wesentlich und in erster Linie ein religiöser Brauch und eine geistliche Übung, die näher zu Gott hinführt.
5. Die Wallfahrt nach Mekka „Hadsch„
Einmal im Leben muss jeder Mann und jede Frau mitzumachen, sofern es die Gesundheit zulässt und in ausreichender Masse Geld vorhanden ist. Die Pilgerfahrt „Hadsch“ zeigt die weltweite Zusammengehörigkeit der Muslim. Der Hadsch erinnert an Abraham, der von Gott auf die Probe gestellt wurde, indem er seinen Sohn opfern sollte (Koran 2,124). Nach der Schilderung im Koran (37,102-106) wurde Abraham damit auf die Probe gestellt. Als Gott (Allah) seinen Willen sah, „löste er ihn (den Sohn) mit einem großartigen Schlachtopfer aus„ (Koran 37, 107). Der biblische Bericht (1 Mose 22, 1-13) stimmt in diesem Punkt mit dem Koran überein.
Literatur:
1. Der Koran (Verschiedene Ausgaben)
2. Mawdudi: Als Muslim Leben
2. Schimmel, Annemarie: Die Religion des Islam. Eine Einführung
3. Baumann, Christoph Peter: Muslime unter uns, 1991
4. Trabelsi, Hassen: Frieden und Gerechtigkeit als Leitideen der Integration und des Zusammenlebens, 2010; in: http://www.alhiwar.net/ShowNews.php?Tnd=8934
Zusammengestell von: Hassen Trabelsi