نصوص
Denkanstöße nach der Schweizer Wahl! : Dr. Ahmad Kalifa
Die Eidgenossen haben in einer Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten auf Moscheen votiert. Die Schweizer Wähler verdienen von mir die Achtung und dies gibt mir einige Denkanstöße. Es ist eine Stärke der Demokratie, wenn die gesellschaftlichen Kräfte mit offenen Meinungen kommunizieren. Und wer ist volks-demokratisch mehr als die Eidgenossen? Nicht die Volksvertreter alleine entscheiden für das Land, sondern auch das Volk selbst durch seine unzähligen Volksabstimmungen nimmt die Verantwort
- 2 ديسمبر 2009
- مصدر الوثيقة:
- الحوار نت
0
Die Eidgenossen haben in einer Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten auf Moscheen votiert. Die Schweizer Wähler verdienen von mir die Achtung und dies gibt mir einige Denkanstöße.
Es ist eine Stärke der Demokratie, wenn die gesellschaftlichen Kräfte mit offenen Meinungen kommunizieren. Und wer ist volks-demokratisch mehr als die Eidgenossen? Nicht die Volksvertreter alleine entscheiden für das Land, sondern auch das Volk selbst durch seine unzähligen Volksabstimmungen nimmt die Verantwortung des Geschehens in der Hand. Das zeigt uns, wie vielfältig die Demokratie ist. Können wir Muslime offen darüber diskutieren, welche dieser europäischen Formen am nächsten zum islamischen Schura-Prinzip ist?
Unabhängig ob mittelbare oder unmittelbare Demokratieform, sollten wir als gesellschaftliche Kraft schauen, wie wir in dieser Kommunikation und Dialog uns einfügen können?
Viele Fragen bewegen sich in meinem Kopf, seitdem ich diese Nachricht erhalten habe. Nicht die Minarette in der Schweiz haben mich vordergründig beschäftigt, sondern die Demokratie und unser Leben als Minderheit in der Gesellschaft.
Dass für jede einzelne Frage verschiedene Meinungen da sind, das gehört zum Alltag. Geschichte, Bildung und Ausbildung, Lebensmilieu, Respekt, Nationalstolz, … usw. der einzelnen Personen spielen dabei eine Rolle, ob jeder sich im Lager der Befürworter oder der Gegner näher befindet. Auch diese Nähe ist sehr unterschiedlich. Nur 54% der Bevölkerung interessierte sich um das Thema und sind zur Wahl gegangen. Es ist eine klare Mehrheit, aber nicht die überwiegende Mehrheit soll man bemerken. Gegen den Minarettenbau votierten 57,5% der Wähler. Auch eine Mehrheit ist hier zu verzeichnen. Wie können wir dieses Ergebnis interpretieren? Kann man sich mit einer Berechnung beruhigen, dass ca. 31% der Bevölkerung gegen den Bau gestimmt haben. NEIN! Das ist genau das falsche Zeichen in der Demokratie.
Es stimmt aber auch, dass 69% der Bevölkerung nicht gegen den Bau von Minaretten gestimmt haben. Aber diese überwiegende Mehrheit der Stimmberechtigten wurde nicht bewegt, ihre Stimme abzugeben. Und hier liegt der Kern der Größe von den gesellschaftlichen Kräften. Die Kraft wird nicht an der Zahl von Personen oder Geldern bemessen, sondern mehr an den Aktivitäten und an das Dasein in der Öffentlichkeit. An der Sympathie und an die Fähigkeit der Gesellschaft zu mobilisieren. Egal in welcher Richtung die Wahlberechtigten sich bewegen, pro oder kontra. Allein die Bewegung zählt bei der Bemessung des Daseins.
Einer früheren Umfrage zufolge erwartete man, dass nur 37% der Wähler für das Verbot abstimmen würden. Es war schön und beruhigend für die Muslime in der Schweiz und für die Befürworter des Minarett Baus. Beide haben das Spielfeld der Demokratie frühzeitig verlassen. Auf der anderen Seite waren die Gegner des Minarettenbaus wachsam, dass die Ergebnisse eines Spiels erst mit dem Abpfiff des Schiedsrichters endgültig stimmen, oder in der Demokratie erst mit dem Schließen der Wahllokale garantiert sind.
Und wie bitte könnten wir Muslime unsere Befürworter an den Urnen bewegen, wenn wir mit denen kaum Kontakte haben? Lassen wir die Frage der Integration paar Minuten ausruhen. Die Integration als „unauffällig“ leben, „anpassungsfähig“ sein und an der Leitkultur sich „orientieren“ helfen niemals 69% der Bevölkerung für die Belange der Minderheit sich stark zu machen. Nur das Zusammenleben, das gegenseitige Vertrauen und die gemeinsame Erlebnisse lassen jeder sich freuen den anderen glücklich zu machen, da dieses Glück sich ausstrahlt und verbreitet, und sich selbst zum Wohle kommen wird. Ich möchte meine Schweizer muslimische Geschwistern nicht fragen, wie viel Vertrauen unsere Institutionen dort unter der Bevölkerung haben. Mehr möchte ich meinen muslimischen Geschwistern in Deutschland diese Frage stellen. Ist es nicht merkwürdig, dass der deutschsprachige Kanton (Luzern) mehr für das Verbot als die französischsprachigen Kantone (Genf und Waadt) votierte.
Ist das ein Indiz für die Ergebnisse der deutschsprachigen Presse im Vergleich zu der Französischsprachigen? Das könnte Vieles erklären! Ein Schweizerisches Volk, die gleiche Migranten im Lande und die gleiche Muslimische Geschichte; trotzdem klare unterschiedliche Haltung gegenüber dem Bau von Minaretten!
In der Schweiz gibt es bislang „nur“ vier Moscheen mit Minaretten. Haben wirklich diese vier Minaretten Landesprobleme gemacht? Egal in welchem Bereich das wäre: Stadtsilhouette, Sicherheit, Störung des Landesfriedens,… oder der Gleichen?
Warum regt man sich mehr über Bilder, Symbole und Zeichen als sich mit dem Kern der Fragen zu beschäftigen. In der letzten Zeit diskutiert man zunehmend über das Kopftuch als über die Persönlichkeit oder über die inneren Werte der Frauen. Gestern votierte man über das Minarett und meidet die Frage der Moschee und des Gebetes. Soll man verstehen, dass in der Schweiz der Bau von Moscheen gewollt ist und gefördert wird? Oder ist das der Anfang bei den Minaretten und bald über die Moscheen und wird am Schluss bei der Frage des Betens und des Fastens landen? In der Demokratie gibt es keine Garantie. Alles ist in der Demokratie offen. Auch die gestrige Entscheidung ist noch offen. Wenn die Gegner des Minarettenbaus gestern den Erfolg bekamen, dann können die Befürworter noch Mal eine Volksentscheidung beantragen und ihrem Erfolg nachholen. Dafür sollen die Befürworter zusammen arbeiten.
Unter den Befürwortern sind selbstverständlich die muslimischen Vereine zu zählen. Egal ob sie die Funktionalität und Notwendigkeit des Minaretts sehen oder nicht. Auch die beiden großen katholischen und evangelischen Kirchen haben gedeutet, dass sie für den Minarettbau seien. Auch die Wirtschaft und der Bankensektor würden solche neue Initiative zum Bau von Minaretten unterstützen. Viele Politiker und etliche etablierte Parteien in der Schweiz wie außerhalb der Schweiz kritisierten diese Entscheidung. Sogar die Regierung in Bern hatte den Wählern empfohlen mit NEIN zu votieren. Es fehlt in der Schweiz nach Potential, es ist vorhanden aber nicht genügend mobilisiert.
Manche Personen befürchten, dass die Bemühungen um Integration und interkulturelle Öffnung in der Schweiz damit einen Rückschlag erlitten hätten. Ich denke, dass wäre genau die falsche bzw. die verkehrte Reaktion sein. Ganz im Gegenteil, sollen die Muslime in der Schweiz und auch hier in Deutschland ihre Integrationsbemühungen bzw. ihre Öffnungsergebnisse überprüfen und revidieren, damit mehr Erfolg sich zeichnet. Und nur so werden die unzähligen gesellschaftlichen Kräfte der Muslime den idealen Ansprechpartner finden. Dann ist der Weg zum nächsten Volksentscheid „FÜR DAS MINARETT“ geebnet, mit Erfolgsversprechung. Dann können wir die Eröffnung der fünften Moschee mit Minarett in der Schweiz gemeinsam feiern. Das Bild von der Schweiz wird sich wieder aufpolieren und wir Muslime werden von diesen Ergebnissen das Richtige gelernt haben. Für das Gelernte möchte ich mich bei den Schweizer Wähler bedanken.
Dr. Ahmad Kalifa
Es ist eine Stärke der Demokratie, wenn die gesellschaftlichen Kräfte mit offenen Meinungen kommunizieren. Und wer ist volks-demokratisch mehr als die Eidgenossen? Nicht die Volksvertreter alleine entscheiden für das Land, sondern auch das Volk selbst durch seine unzähligen Volksabstimmungen nimmt die Verantwortung des Geschehens in der Hand. Das zeigt uns, wie vielfältig die Demokratie ist. Können wir Muslime offen darüber diskutieren, welche dieser europäischen Formen am nächsten zum islamischen Schura-Prinzip ist?
Unabhängig ob mittelbare oder unmittelbare Demokratieform, sollten wir als gesellschaftliche Kraft schauen, wie wir in dieser Kommunikation und Dialog uns einfügen können?
Viele Fragen bewegen sich in meinem Kopf, seitdem ich diese Nachricht erhalten habe. Nicht die Minarette in der Schweiz haben mich vordergründig beschäftigt, sondern die Demokratie und unser Leben als Minderheit in der Gesellschaft.
Dass für jede einzelne Frage verschiedene Meinungen da sind, das gehört zum Alltag. Geschichte, Bildung und Ausbildung, Lebensmilieu, Respekt, Nationalstolz, … usw. der einzelnen Personen spielen dabei eine Rolle, ob jeder sich im Lager der Befürworter oder der Gegner näher befindet. Auch diese Nähe ist sehr unterschiedlich. Nur 54% der Bevölkerung interessierte sich um das Thema und sind zur Wahl gegangen. Es ist eine klare Mehrheit, aber nicht die überwiegende Mehrheit soll man bemerken. Gegen den Minarettenbau votierten 57,5% der Wähler. Auch eine Mehrheit ist hier zu verzeichnen. Wie können wir dieses Ergebnis interpretieren? Kann man sich mit einer Berechnung beruhigen, dass ca. 31% der Bevölkerung gegen den Bau gestimmt haben. NEIN! Das ist genau das falsche Zeichen in der Demokratie.
Es stimmt aber auch, dass 69% der Bevölkerung nicht gegen den Bau von Minaretten gestimmt haben. Aber diese überwiegende Mehrheit der Stimmberechtigten wurde nicht bewegt, ihre Stimme abzugeben. Und hier liegt der Kern der Größe von den gesellschaftlichen Kräften. Die Kraft wird nicht an der Zahl von Personen oder Geldern bemessen, sondern mehr an den Aktivitäten und an das Dasein in der Öffentlichkeit. An der Sympathie und an die Fähigkeit der Gesellschaft zu mobilisieren. Egal in welcher Richtung die Wahlberechtigten sich bewegen, pro oder kontra. Allein die Bewegung zählt bei der Bemessung des Daseins.
Einer früheren Umfrage zufolge erwartete man, dass nur 37% der Wähler für das Verbot abstimmen würden. Es war schön und beruhigend für die Muslime in der Schweiz und für die Befürworter des Minarett Baus. Beide haben das Spielfeld der Demokratie frühzeitig verlassen. Auf der anderen Seite waren die Gegner des Minarettenbaus wachsam, dass die Ergebnisse eines Spiels erst mit dem Abpfiff des Schiedsrichters endgültig stimmen, oder in der Demokratie erst mit dem Schließen der Wahllokale garantiert sind.
Und wie bitte könnten wir Muslime unsere Befürworter an den Urnen bewegen, wenn wir mit denen kaum Kontakte haben? Lassen wir die Frage der Integration paar Minuten ausruhen. Die Integration als „unauffällig“ leben, „anpassungsfähig“ sein und an der Leitkultur sich „orientieren“ helfen niemals 69% der Bevölkerung für die Belange der Minderheit sich stark zu machen. Nur das Zusammenleben, das gegenseitige Vertrauen und die gemeinsame Erlebnisse lassen jeder sich freuen den anderen glücklich zu machen, da dieses Glück sich ausstrahlt und verbreitet, und sich selbst zum Wohle kommen wird. Ich möchte meine Schweizer muslimische Geschwistern nicht fragen, wie viel Vertrauen unsere Institutionen dort unter der Bevölkerung haben. Mehr möchte ich meinen muslimischen Geschwistern in Deutschland diese Frage stellen. Ist es nicht merkwürdig, dass der deutschsprachige Kanton (Luzern) mehr für das Verbot als die französischsprachigen Kantone (Genf und Waadt) votierte.
Ist das ein Indiz für die Ergebnisse der deutschsprachigen Presse im Vergleich zu der Französischsprachigen? Das könnte Vieles erklären! Ein Schweizerisches Volk, die gleiche Migranten im Lande und die gleiche Muslimische Geschichte; trotzdem klare unterschiedliche Haltung gegenüber dem Bau von Minaretten!
In der Schweiz gibt es bislang „nur“ vier Moscheen mit Minaretten. Haben wirklich diese vier Minaretten Landesprobleme gemacht? Egal in welchem Bereich das wäre: Stadtsilhouette, Sicherheit, Störung des Landesfriedens,… oder der Gleichen?
Warum regt man sich mehr über Bilder, Symbole und Zeichen als sich mit dem Kern der Fragen zu beschäftigen. In der letzten Zeit diskutiert man zunehmend über das Kopftuch als über die Persönlichkeit oder über die inneren Werte der Frauen. Gestern votierte man über das Minarett und meidet die Frage der Moschee und des Gebetes. Soll man verstehen, dass in der Schweiz der Bau von Moscheen gewollt ist und gefördert wird? Oder ist das der Anfang bei den Minaretten und bald über die Moscheen und wird am Schluss bei der Frage des Betens und des Fastens landen? In der Demokratie gibt es keine Garantie. Alles ist in der Demokratie offen. Auch die gestrige Entscheidung ist noch offen. Wenn die Gegner des Minarettenbaus gestern den Erfolg bekamen, dann können die Befürworter noch Mal eine Volksentscheidung beantragen und ihrem Erfolg nachholen. Dafür sollen die Befürworter zusammen arbeiten.
Unter den Befürwortern sind selbstverständlich die muslimischen Vereine zu zählen. Egal ob sie die Funktionalität und Notwendigkeit des Minaretts sehen oder nicht. Auch die beiden großen katholischen und evangelischen Kirchen haben gedeutet, dass sie für den Minarettbau seien. Auch die Wirtschaft und der Bankensektor würden solche neue Initiative zum Bau von Minaretten unterstützen. Viele Politiker und etliche etablierte Parteien in der Schweiz wie außerhalb der Schweiz kritisierten diese Entscheidung. Sogar die Regierung in Bern hatte den Wählern empfohlen mit NEIN zu votieren. Es fehlt in der Schweiz nach Potential, es ist vorhanden aber nicht genügend mobilisiert.
Manche Personen befürchten, dass die Bemühungen um Integration und interkulturelle Öffnung in der Schweiz damit einen Rückschlag erlitten hätten. Ich denke, dass wäre genau die falsche bzw. die verkehrte Reaktion sein. Ganz im Gegenteil, sollen die Muslime in der Schweiz und auch hier in Deutschland ihre Integrationsbemühungen bzw. ihre Öffnungsergebnisse überprüfen und revidieren, damit mehr Erfolg sich zeichnet. Und nur so werden die unzähligen gesellschaftlichen Kräfte der Muslime den idealen Ansprechpartner finden. Dann ist der Weg zum nächsten Volksentscheid „FÜR DAS MINARETT“ geebnet, mit Erfolgsversprechung. Dann können wir die Eröffnung der fünften Moschee mit Minarett in der Schweiz gemeinsam feiern. Das Bild von der Schweiz wird sich wieder aufpolieren und wir Muslime werden von diesen Ergebnissen das Richtige gelernt haben. Für das Gelernte möchte ich mich bei den Schweizer Wähler bedanken.
Dr. Ahmad Kalifa
http://www.rf3t.com/aqlam/103-denkanstoesse-nach-der-schweizer-wahl